Der Unsinn mit den „Snacks“ für Kaninchen

Auszüge aus dem Infoblatt der Kaninchenhilfe Hannover:

Woraus bestehen Snacks für Kaninchen?

Zucker
Mehl
Meiskleie
Hartbiskuit
Zuckerrohrmelasse
Bäckereinebenerzeugnisse
ausgesuchte Getreidearten
wertvolle aufgepeppte Getreidesorten
Saaten
gehackte Nüsse
Honig
pflanzliche Nebenerzeugnisse
tierische Eiweiße
tierische Nebenerzeugnisse
frische Eier
Milch- und Molkereierzeugnisse
Joghurtpulver

Weizen und Haferkörner sind auf dem Weltmarkt billige Futtermittel, die ansehnlich bearbeiteten und attraktiv verpackt als Futter für Kaninchen von der Futtermittelindustrie angeboten werden. In der freien Natur fressen Kaninchen keine oder kaum Körner. Sie fressen vom Boden, die Ehren wachsen zu hoch. Nur zur Erntezeit wird heruntergefallenes Korn verzehrt.
Diese Tatsache legt den Schluß nahe, daß für die Futterindustrie Kaufargumente von Kleintierhaltern als potentielle Kunden im Vordergrund stehen und den tatsächlichen Bedürfnissen und Ernährungsgewohnheiten der „Endverbraucher“, nämlich dem Kaninchen, nur sekundäre Bedeutung zukommt.
Die Tatsache, dass der zoologische Fachhandel seit Jahrzehnten das Körnerfutter für Kaninchen mit großem Erfolg verkauft, liegt folglich am billigen Rohstoff und seiner einfachen Verarbeitung. Die Folgeerscheinungen dieser Fütterung treten leider nicht unmittelbar auf. Es können Spätfolgen auftreten:

-übergewichtige Tiere, da das energiereiche Stärkefutter zu sehr ansetzt. Faserreiche Nahrung wie frisches Grün, trockenes Heu, sowie Baumäste hingegen sind gut für den Darmtakt des Kaninchens.

-Zahnprobleme, da Kaninchenzähne ihr Leben lang wachsen müssen die Tiere immer genügend nagen. Körnerfutter erfüllt diesen Zweck nicht. Bei der Futteraufnahme werden Körner mit den Zähnen zerquetscht und das Futter wird nicht lange genug mit den Backenzähnen gemahlen.

- chronische Durchfälle, die mit kotverschmiertem Fell im Anogenitalbereich gekennzeichnet sind.

-Trommelsucht als Fehlgärung im Blinddarm.

Milch und Joghurtdrops benötigen Kaninchen überhaupt nicht!
Erst in den letzten Jahren haben Tierärzte und Tiernahrungsspezialisten auf diese Mißstände hingewiesen.

 

 

Hier beginnen meine eigenen Empfehlungen:

Ausgewogene Ernährung für Zwergkaninchen

Diese Angaben beziehen sich auf ein ca. 1.200 g schweres Tier:

90 % des Tagesbedarf sollte aus frischem, trockenem Heu bestehen.
Einem Esslöffel Trockenmischfutter morgens (hierrüber sollte ich nach dem obigen Text nochmal nachdenken!)
und 10 % Grünfutter (Gemüse, Obst, Kräuter und Wiesenkräuter) abends.

Gemüse

Möhren, Kohlrabi, Fenchel, Stangensellerie, Feldsalat, Chicoree, Broccoli, Spinat, Sellerie, Topinambur, Sojabohnengrün, Erbsengrün, Frische junge Maiskolben, (nur die Blätter von) Radieschen und Rettich...

Kräuter und Unkräuter

Petersilie, Basilikum, Dill, Liebstöckel (Maggikraut), Kerbel, Majoran, Salbei...

Obst

(nur als besondere Zugabe, zu viel Obst auf einmal könnte zu Durchfall führen)
Apfel, Birne, Erdbeere, Himbeere, Brombeere...

Von den Heimischen Obstsorten kann man bedenkenlos sämtliches Grün und Zeige verfüttern. Beispiel Erdberblätter und Stängel, bei dieser Faserreichen Nahrung gibt es auch kein Durchfall, wie bei zuviel Früchten.

 

Wiesenkräuter und Unkraut

Schachtelhalm, Löwenzahn, Wiesengras, Spitzwegerich, Breitwegerich, Wicke, Gänsefuß, Huflattich, Waldhimbeerblätter, Wald-Erdbeerblätter, Brombeereblätter, Luzerne (Alfa-Alfa), Junge Brennessel (anwelken lassen! Nicht frisch!), Schafgarbe, Kamille, Vogelmiere...

1-2 mal die Woche Zweige und Laub

von Haselnuß, Heinbuche, Erle, Weide, Linde, Ahorn, Esche, alle heimischen Obstbäume...

Knabbereien (nur sehr selten)

eine viertel Vollkornbrotscheibe (getrocknet) oder eine halbe Knäckebrotscheibe. Am besten selber backen ohne Salz und ohne Hefe.